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IMOTSKA KRAJINA

STADT IMOTSKI

GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

 DIE LEGENDE VON GAVAN...    

       

     IMOTSKA KRAJINA befindet sich hinter dem Gebirge Biokovo, auf einem Gebiet das Dalmatien mit Bosnien und Herzegowina verbindet. Es hat eine Fläche von etwa 600 km2. Im Nordosten ist das Gebiet begegrenzt durch die Grenze zu Bosnien und Herzegowina, im Süden mit dem Küstenland von Makarska und im Nordwesten durch die Städten Sinj und Omiš. Das ganze Gebiet befindet sich auf einer Meereshöhe von 260 m (das Gefilde) bis 440 m (die Stadt Imotski).

Das ganze Gebiet der Krajina besteht aus drei natürlichen Teilen: Karstgebiet am Rand des Feldes, große Karstoberflächen die Felder bilden mit großen tektonischen Senkungen und als drittes der Gebirgsstock Biokovo.

In der großen Oberfläche des Karstgebietes hat das Wasser verschiedene Formen ausgehöhlt und verformt wobei das Phänomen der Seenbildung überwiegen. Die meisten der Seen sind sogenannte „trockene Seen“. Da es sich um ein ausgeprägtes Karst- und Kalksteingebiet handelt, ist es ein sehr hydrografisches, armes Gebiet. Die Wasserflächen sind in den Karstseen: Blau- und Rotsee, Zweiaugen See, im See von Proložac, Galipovac, Knezović See, Krenica, Jezerina u.a. konzentriert, denen Grundwasser zufließt, wie der Morast von Proložac und der Fluss Vrljika und ab und zu der Fluss Suvaja. 

 

  DIE STADT IMOTSKI befindet sich im dalmatischen Innenland, 50 km vom Meer und 100 km von Split entfernt. Sie hat die Kennzeichen einer typischen Küstenstadt, in der Architektur sowie im Klima, das mediteran ist. Die Stadt befindet sich auf einer  imposanten Erhebung in 440 m Höhe über dem Meeresspiegel, daher dominiert Imotski über dem Tal und den herumliegenden Dörfern. Unter dem Name „Podi“ ist die Erhebung bekannt geworden.

Die Stadt allein hat etwa 5000 Einwohner und ist ein kulturelles und administratives Zentrum.

Nach der Ansiedlung der Kroaten formierten sie den Grenzbezirk unter den Namen Emotha – Imota. Auch der byzantinischen Kaiser und Schriftsteller Konstantin VII. erwähnte in seinen Schriften aus dem 10. Jh. den Ort und das Tal Emotha. Aus der alten kroatischen Pfarrei entwickelte sich der heutige Namen Imotski.

Über der Stadt bzw. an der Klippe oberhalb des Blausee dominiert, als Ruine der Festung Topana aus dem 10. Jh.

Der Blau- und der Rotsee (Plavo und Crveno jezero) sind in der unmittelbaren Nähe der Stadt gelegen. In hydrographischer und geomorphologischer Hinsicht stellen diese zwei Seen ein Phänomen  von Weltwert dar. Die Seen entstanden durch den Einsturz der Höhlendecken.

Beide Seen haben ihren Namen wegen den charakteristischen Farben der Steine bekommen. Dank solchen Talksenkungen entstanden außer den beiden Seen in Imotski noch weitere 19 trockene Seen.

 

Der Blaue See befindet sich fast im Zentrum und ist für Besuche, Spaziergänge, im Sommer fürs Baden sehr geeignet und ist eine der Attraktionen der Stadt. Die höchste Seite des Sees beträgt etwa 900 m und die Querseiten schwanken zwischen 255 bis 400 m. Die Tiefe des Sees ist unterschiedlich. Im Sommer passiert es ab und zu, dass das Wasser versickert, dann werden traditionell Fußballspiele auf dem Grund abgehalten. 

 

 

Nicht weniger interessanter ist, der ein bisschen weiter gelegene Rotsee. Die Ufer vom Rotsee sind schräg gelegen, so dass der untere Rand etwa 100 m niedriger ist als der obere. Die Breite der Öffnung an der Längsseite beträgt ca. 400 m. Der See ist ellipsenförmig und zwischen 396 – 485 m tief. Die Wassertiefe beträgt etwa 250 m die nie versickert . Der Wasserspiegel schwankt bis zu 22 m und es ist einer der tiefsten Seen Europas. Das Wasser des Sees fließt durch ein System von Kanälen und Erdspalten zu und ab.   

Beide Seen sind mit Legenden verbunden. So handelt es sich beim Rotsee, in einem Gedicht eines unbekannten Dichters, um den reichen aber grausamen Mann Gavan,seinem großen Schloss und um den Fluch der ihn getroffen hat. Durch den Einsturz des Schlosses entstand ein großes Loch das sich mit Wasser füllte. So entstand der Legende nach der Rotsee.

Den Blausee verbindet man mit einer Legende aus einem Volkslied .Es handelt sich dabei um “Hasanaginica“, einem Mädchen. Die Ballade hat sich in dieser Gegend abgespielt und das Grab von Hasanaginica befindet sich in der Nähe des Blausees. Auch der deutsche Dichter Goethe sah den Wert des Geichtes ein und übersetzte es auf Deutsch. Anschliessend Es wurde es auch auf viele andere Sprachen übersetzt.

 

 

GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Die Stadt Imotski befand sich langezeit, wie ganz Kroatien, unter verschiedenen Mächten, vom Römischen Reich über Ungarn, den Türken (Osmanen), Venedig, Österreich, Frankreich und im II. Weltkrieg unter Italien. Alle diese Machten hinterließen ihre Spuren.    

Es ist bekannt das unsere Gegend schon im Altertum besiedelt war. Das sieht man an den heutigen archäologischen Funden von Steinäxten, Schlägern und einer Urne, die aus der Zeit um 1500 v. Ch. stammten. Die meisten Funde stammten aus dem Neolithikum.

Das erste Volk das sich hier ansiedelte und lebte, welches auch die Geschichte erwähnt, waren die Illyrer und zwar der Stamm Delmati. Der wichtigste Ort aus dieser Zeit war das Dorf “Setovia“, das heute Studenci heißt. Es war eigentlich eine Festung und ein Militärzentrum der Delmaten, dass im Krieg gegen die Römer eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Wie wichtig die Festung damals für die Römer war erkennt man darann, dass sogar der römische Kaiser Oktavian bei der Einnahme der Festung teilgenommen hatte. 

Die wichtigste Zeit der älteren Geschichte von Imotski und seiner Umgebung war die  römische Zeit. Aus dieser Zeit findet man auch heute noch sehr viele archäologische Funde. Der wichtigste römische Ort war „Rus – Novae“ – heute Runovići. Es kam zur Romanisierung der Delmaten. Die Römer bauten Strassen. So wird auch heute noch die Strasse von Imotski über Lovreć bis nach Trilj die „römische Strasse“ genannt. Die Stadt Imotski war in dieser Zeit nur eine Beobachtungsstation, Wachposten und eine Haltestelle für Reisende. Im 4 Jh. kommt es zur Christianisierung der Gegend. Nach der Völkerwanderung und dem Fall des Westlichen Römischen Reiches, ruft Kaiser Herakles im 7. Jh. die Kroaten zur Hilfe im Kampf gegen Aaren saowie Slawen und so kam es zur Ansiedlung der Kroaten auch in dieser Gegend. Im 8. und 9. Jh. wurde Kroatien von einheimischen Fürsten regiert,es entstanden die ersten Fürstentümer, die dann im 10. und 11. Jh. ins Königreich übergingen. Imotski wurde zum ersten Mal schriftlich im 10. Jh. erwähnt und zwar unter dem Namen “Emotha“. Später wurde aus Emotha – Imota. Erwähnt hat ihn der byzantinische Kaiser Konstantin VII. in seinen Werken in denen er über die Slawen schreibt. “Emotha sei der herausragendste, südöstlichste Bezirk Kroatiens“. Nach dem Tod des letzten kroatischen Königs Zvonimir wurde Kroatien geteilt. Den nördlichen Teil übernahmen die Ungarn, weil Zvonimirs Witwe genannt “die schöne Jelena“, die Schwester des ungarischen Kaisers Ladislaus Arpad war. Die Adligen im südlichen Teil Kroatiens wählten Peter Svačić zum König, der dann später im Krieg gegen die Ungarn ums Leben kam. Am Anfang des 12. Jh. (1102) kam es zum ungarisch – kroatischen Königreich.

     Da Imotski eines der südöstlichsten Bezirke Kroatiens war und geographisch auch sehr ungelegen liegt, herrschten über Imotski in den nächsten paar Jahrhunderten viele verschiedene Mächte. Nach den Ungarn übernahm der byzantinische Kaiser Manuel Komnen, Imotski. Nach dessen Tod wurde die Region kurz den Serben hinterlassen, danach den Bosniern. Sogar die Mongolen verwüsteten diese Gegend im 13. Jh. Im 14. Jh. übernahm Ludwig I. aus dem Haus Anjou Kroatien und wenig später auch Bosnien. Da Imotski unter Bosnien war übernahm er auch diese Gegend. Die schlimmste Zeit für Imotski war vom Ende des 14. bis zum Ende des 15. Jh. (1382 – 1493), da Imotski alle paar Jahre die Herrscher wechselte. Im Jahr 1493 kam Imotski und Umgebung unter die türkische Macht obwohl der restliche Teil Dalmatiens unter Venedig war. Aus der Stadt wurde eine Militärfestung und ein wichtiges administratives Zentrum.

 Nach dem Venedig – türkischem Krieg (1715 – 1717) und dem Frieden in Požarevac wurde die Stadt am 2. August 1717 von den Türken befreit, ist aber anschliessend unter die Herrschaft Venedigs geraten. Auch heute werden in der Alltagssprache sehr viele Wörter türkischer Herkunft verwendet. Unter Venedig blieb Imotski dann bis zum Fall der Republik 1797. Aus Imota wurde Imoschi. Aus dieser Zeit datiert die heutige Grenze zu Bosnien und Herzegowina. 

     Die Stadt blieb weiterhin ein Militärlager, aber dieses Mal als der östlichste Punkt zum türkischen Reich. Im heutigen Wappen von Imotski sieht man den Davidsstern als Symbol der Freiheit über der Festung und unter der Festung ist das türkische Symbol, der Halbmond. Der Wappen datiert auch aus der Zeit der Befreiung von den Türken.

 

   Nach dem Fall Venedigs kam Imotski, wie der restliche Teil Dalmatiens unter die Herrschaft Österreichs. Doch lange blieben sie nicht im Rahmen des Habsburger Reiches, weil Österreich eine Niederlage gegen Napoleon erlitt und nach dem Frieden in Bratislava (25.12.1805) ging Dalmatien an die Franzosen über. Die französische Macht blieb bis in das Jahr 1813, die Verwaltung wurde dem Königreich Italien überlassen, so das  die Verwaltungssprache Italienisch war. Nach der Niederlage Napoleons in Russland 1812, bei Leipzig 1813, und dem Wienerkongress (1814 – 1815) bekam Österreich zum zweiten Mal Dalmatien und so auch Imotski. Das Habsburger Reich blieb bis zum Ende des ersten Weltkrieges (1918) bestehen. Die Verwaltungssprache blieb weiterhin Italienisch. Es leben auch heute noch Familien in Imotski die italienischer Abstammung sind. In dieser Zeit wurde die Volksbewegung in Kroatien und Dalmatien zur Wiedervereinigung Dalmatiens mit dem restlichen Kroatien immer lauter. Imotski war damals eines der Brennpunkte dieser Bewegung. Verantwortlich dafür waren Rajmund Rudež, Ante Rossi, Mihovil Pavlinović und Virgilije Petrić. In Imotski wurde auch 1868 einer der ältesten Lesesaale in Dalmatien gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Österreich – ungarischen Monarchie, kam es am 31.10.1918 zur Bildung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben. Am 1.12.1918 kam es dann überstürzt zur Proklamierung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina SHS) welches in der jüngeren Geschichte Kroatiens fatale Folgen hatte. Das kroatische Selbstbewusstsein wurde dadurch unterdrückt. Nach dem Fall des Königreichs kamen im zweiten Weltkrieg noch einmal die Italiener in diese Gegend. Auch das künstliche Jugoslawien, das nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist, unterdrückte die kroatische Sprache und das kroatische Nationalbewusstsein unter dem Moto “der Bruderschaft und der Einheit“. In den neunziger Jahren kam es zum Zerfall des künstlichen Jugoslawiens. Nach der Loslösung Kroatiens und den anderen Republiken aus der Föderation, veränderte sich das Bild auf dem Balkan. Heute geht Kroatien selbständig seinen Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit. Leider wurde diese Freiheit blutig bezahlt. Viele Junge Menschen legten ihr Leben auf den Altar der Heimat nieder. Sie gaben ihr Allerwertestes, ihr Leben. So hat auch Imotski sehr viele seiner Söhne verloren.

Wir danken ihnen und sie werden immer und ewig in unseren Herzen weiterleben.   

 

 

DIE LEGENDE VON GAVAN UND SEINEM “VERFLUCHTEM“ SCHLOSS

           

            Einmal vor langer Zeit lebte der reiche Gavan, am Rand des Rotsees hatte er ein großes und wunderschönes Schloss. Alles gehört ihm, die ganzen Felder und die ganze Umgebung. Er lebte sehr verschwenderisch und war ein großer Nimmersatt. Gavan war gegenüber allen jähzornig und unbarmherzig, besonders gegenüber den Armen kannte er kein Mitleid, seine Türen war immer für sie verschlossen und wenn er sie öffnete dann nur um sie zu verprügeln und zu verjagen. Gavan und seine noch schlimmere Frau, die bösartiger und gieriger war, kannte keinen Gott. Den Armen half sie nie sondern machte sich über sie lächerlich, verspotteten und verjagten sie von der Schlosstür. Eine schlimmere Frau gab es unter der Sonne nicht. Gavan hatte viele Söhne und Töchter und er dachte, dass er zufrieden in seinem Reichtum mit ihnen leben und ihnen alles hinterlassen wird.

Die Kinder waren nicht anders als ihre Eltern.

Eines Tages beschloss Gavan ein großes Fest für seine Freunde, die auch verschwenderisch und jähzornig waren wie er, zu organisieren. Sie übertrieben das Ganze im Essen und Trinken. Auf einmal erschien ein Engel in der Gestalt eines zerlumpten Armen. Er suchte im Namen Gottes, ein bisschen Brot für sich und die hungrigen Kinder die bei ihm waren. Als ihn Gavan sah wurde er wütend, weil er ihn während des Essens störte. Die Kinder liefen schnell um die Hunde von der Leine zu lassen, damit sie ihn und die Kinder zerreißen. Das täten sie auch, wenn sie ihre Mutter in letzter Sekunde nicht aufgehalten hätte. Nicht aus Erbarmen, sondern weil sie schwanger war und Angst hatte, dass ihr so ein Unheil nicht gut tun würde. Sie stand vom Tisch auf, nahm ein Stück Brot und schob es mit dem linken Fuß vor den Armen und sagte zornig: „Nimm du Hungriger und danke unserer Barmherzigkeit“.  Der Engel nahm das Stück Brot, küsste es und verteilte es unter den Kindern. Danach bat er die Hausherrin: „ Geben sie mir gnädige Frau auf dem Weg Gottes einen Tropfen Wasser, um meinen und der Kindern Durst zu löschen und der liebe Gott gibt dir Ehrsamkeit bei deiner Geburt.

Statt Erbarmen stieß sie ihn mit dem Fuß und sagte: „Was soll ich schon mit deinem Gott solange ich meinen Gavan habe?“

Auf so ein herzloses Verhalten wurde der Engel zornig, warf die alte Kleidung vom Leib und nahm in die rechte Hand das feurige Schwert Gottes und schlitzte den Himmel der Helligkeit auf. Er verfluchte Gavan, dessen Frau und seine Kinder, die Gäste und Gavan´s Schloss und flog zurück in den Himmel. In diesem Augenblick fing es an zu blitzen und zu donnern, die Erde fing an zu beben, sie öffnete sich und Gavan, dessen Frau und Kinder und alle Gäste, wie das Schloss wurden von der Erde verschluckt.

An diesem Ort entstand der Rotsee und alle anderen Seen in der Krajina, die wir heute kennen.

Auch heute sind noch am Rand des Rotsees die Gemäuer zu sehen, wo man sagt, dass sie die Reste von Gavan´s großem Schloss sind.  

 

Die ballade "Asanaginica"

  “Asanaginica“ ist eine kroatische Volksballade. Sie ist kein normales, unbekanntes Gedicht, sondern eine berühmte Ballade, die mit ihrer künstlerischen Schönheit die ganze Kulturwelt interessiert hat. Sie gehört zu den meist übersetzten Volksballaden.

 

 

Eine kurze Zusammenfassung der Ballade  

 

      Der türkische Offizier Asan liegt verwundet in den Bergen. Es besuchen ihn seine Mutter und Schwester doch die Ehefrau Asanaginica kämpft zu Hause mit dem Scham und der sittenharten Erbschaft und traut sich nicht ihren verwundeten Ehemann zu besuchen, sondern erwartet ihn mit fünf Kindern zu Hause. Der Ehemann Asan wütend vor Zorn teilt der Ehefrau mit, sie soll auf ihn nicht „im Hof und Verwandtschaft“ warten. Der gekränkte Bruder von Asanaginica entführt seine Schwester von den fünf Kindern und bringt sie ins Elternheim zurück. Nach der Hand der guten Ehefrau von Asan fragen viele, doch der Bruder verheiratet sie gegen ihren Willen für den Kadija (Richter) in Imotski.

      Die Hochzeitsgäste führen die unglückliche Asanaginica in Richtung Imotski. Sie bittet sie vor dem Haus ihrer Kinder anzuhalten um sie mit Geschenken zu bescheren. Das alles sieht der Ehemann Asan aus dem Fenster mit an, unglücklich, weil ihm der Hochzeitszug seine geliebte Ehefrau und die Mutter seiner Kinder wegführt. Die edelmütige Asanaginica beschert ihre Kinder und hört den lauten Vorwurf ihres Ehegatten und fällt Tod um. Die Kinder bleiben ohne Mutter, Asan ohne seine geliebte Frau und der Hochzeitszug ohne Braut. 

 

Kurze Interpretation

 

      Die ganze Ballade (Geschichte) wurde von einem (einer) Volksdichter (Volksdichterin) in 93 zehnsilbern ausgedrückt und „das Rätsel Hasanaginica dauert noch immer“. Des Bruders Entschluss die Schwester, Mutter von fünf Kindern, ohne ihren Willen noch mal zu verheiraten, ist ein dramatisches Crescendo und eine Ankündigung einer Tragödie einer edelmütigen Mutter und treuen Ehefrau. Romeo und Julia aus Imotski wurden nach einer langjährigen, glücklichen und mit gesunden Kindern gesegneten Ehe, zertrennt, durch menschlichen Neid, Eifersucht und Bosheit. Es wird die Welt des Edelmutes und des Guten zerstört und die Welt des Bösen, des Unglücks und des Todes aufgebaut.

 

Schlusswort

 

      Der wohlwollende Leser fragt sich wer es braucht und wem dient solch ein denkbares Konzept in dem das Opfer ohne eigene Schuld und Verantwortung als treue Ehefrau und edelmütige Mutter Asanaginica getötet wird. Der Volksautor webte inspiriert und unaufdringlich in den Text seine katharsische Mitteilung hinein und jeder Leser wird sie leicht dekodieren und die ganze Welt einer glücklichen Familie bedauern, dessen Glück zerfällt und zerstört wird. Die Ballade erreicht so ihr Ziel – sie säubert und eröffnet uns für eine schönere, glücklichere und gehrechtlichere Welt.   

 

Was ist im grunene Wald dort jene Weisse?

Schanee? oder Schwane? sei es Schenee: er musste

geschmolzen endlich sein, und Schwane waren

davon geflogen. Weder Schnee noch Schwane,

es sind die Zelten Asans, unsers Herzogs.

Verwundet achzt er drinnen; ihn zu sehen

kommt zu ihm seine Mutter, seine Schwester;

die Gattin sasumt aus Scham zu ihm zu kommen.

Als er zuletzt die Pein an seinen Wunden

gelindert fuhlte, liess er seiner treuen

Gemahlin kunden: ˝Harr˝ auf mich nicht langer

˝in meinem weissen Hofe, noch bei meinen

˝Verwandten!˝ Als das harte Wort die treue

Gemahl vernommen, stand sie starr und schmerzvoll.

Schon hort sie um des Gatten Burg den Hufschlag

von Rossen schallen, springt verzweifelnd

den Thurm hinauf, und will vom Fenster sturzend

dem Tod sich geben. Aber angstlich folgten

zwo zarte Tochter ihrer raschen Mutter,

und riefen weinend: ˝Mutter, liebe Mutter!

˝Ach, gilehe nicht! Es sind nicht unsers Vaters,

¨nicht Asans Ropsse; komm zuruck, dein Bruder,

˝der Erbe des Pintoro wartet deiner.˝

Die Gattin Asans kommt zuruck und windet

die Arme um den Hals von ihrem Bruder:

¨O Bruder, sieh die Schande deiner Schwester!

˝Mich zu verstossen, nich, die arme Muter

˝von funf Ungluckicher!˝ Er schweigt und ziehet

hervor von rother Seide aus der  Tasche

den Freiheitsbrief, der ihr das Recht ertheilet,

in ihrem muzzerlichen Hause wieder

zuruckgekehrt ein neues Ehebundniss

za knupfen. Als die bange Furstin sahe

das traur'ge Blatt, so kusste sie die Stirne

von ihren beiden Sohnlein und von igren

zwo'n Tochterchen die zarten Rosenwangen;

ach, aber von dem Saugling in der Wiege

vermag die Arme nicht sich loszureissen.

Er reisst sie los, der unbarmherz'ge Bruder,

hebt sie zu sich aufs Ross, und kehret eilig

Mit ihr zuruck zur vaterlichen Wohnung.

Nach kruzer Zeit, es waren sieben Tage

noch nicht verflossen, als von allen Seiten,

schon und erhab'ner Herkunft, tur Gemaglin

das sdchone Fraulein schon erkieset wurde.

Der edlen Ferier war der angeseh'nste

der Cadi von Imosky. Aber weinend

bas sie den Bruder: ˝Ach! Bei deinem Leben

˝beschwor˝ ich dich, du mein gelibter Bruder!

˝mich keinem andern mehr zur Frau zu geben,

˝damit das Wiedersehen meinerlieben

˝verlass'nen Kinder mir das Herz nicht breche!˝

Er achtet ihre Rede nichts, entschlossen

die Schwester dem Cadi zur Frau zu geben.

Sie fleht aufs neu: ˝Ach, bist du unerbittlich,

˝so wollest dem Cadi zum mind'sten senden

˝ein weisses Blatt: ˝Dich grusst die junge Wittib,

˝und will durch deser Blatt, wenn dich die Suaten

˝zu ir begleiten, einen langer Schleier

˝dich bitten ihr zu reichen, dass in diesen,

˝wenn Asans Wohnung sie voruber komme,

˝vom Haput zu'n Fussen sie sich hullen konne,

˝um ihre lieben, ach! Verlass'nen Kinder

˝nicht seh'n zu mussen!˝ Der Cadi beaugte

das Schreiben kaum, als er die Suaten sammelt,

und seiner schonen Braut entgegen eilet,

den langer Schleier, den sie heischte, tragend.

Zum Haus der jungen Furstin kamen glucklich

die Suaten, und von ihrem Hause kehrten

mit ihr sie glucklich wieder: aber naher

als Asans Wohnung sie gekommen waren,

so sah'n vom Erker ihre liebe Mutter

die zarten Tochter und die jungen Sohne,

und eilten zu ihr: ˝Liebe, liebe Mutter!

˝Komm wieder zu uns, komm in deiner Halle

˝mit uns das Sprechen ihrer Kinder horte,

wandt' sich des Herzog Asans bange Gattin

zum ersten von den Suaten:˝O mein alter

˝geliebter Bruder, lass vor diesem Hause

 ˝die Rosse harren, dass ich diesen Waisen,

˝den Kindern meines Busens, noch ein Zeichen

˝der Liebe geben kann!˝ Die Rosse harrten

an Asans traur'gem Haus, und abhestiegen

vom Ross gab sie den Kindern ihres Busens

Geschenke: gab mit Gold beblumte schone

Halbstiefel beiden Sohnlein und den Tochtern

zwei Kleider, die vom Kopf zu Fuss sie deckten;

dem Sauglung aber, welcher in der Wiege

noch hilfols lag, dem schickte sie ein Rocklein.

Der Vater, alles in der Ferne sehend,

rief seinen Jkindern: ˝Liebe Kleine, kehret

˝zu mir zuruck, der fuhllos word'nen Mutter

˝verschloss'ne Brust von Eisen wiess von keinem

˝Mitleiden mehr.˝ Die jammervolle Gattin

hort Asans Wort, und sturzt, mit blassem Antlitz

die Erde schutternd, und die bange Seele

entfloh dem bangen Busen, als, die Arme!

Sie ihre Kinder sah von ihr entfliehen.  

 

 

 

                                     Zusammengefasst und geschrieben: Nikša Rebić, prof.

 

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