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IMOTSKA KRAJINA befindet sich hinter dem
Gebirge Biokovo, auf einem Gebiet das Dalmatien mit Bosnien und
Herzegowina verbindet. Es hat eine Fläche von etwa 600 km2. Im
Nordosten ist das Gebiet begegrenzt durch die Grenze zu Bosnien und
Herzegowina, im Süden mit dem Küstenland von Makarska und im Nordwesten
durch die Städten Sinj und Omiš. Das ganze Gebiet befindet sich auf einer
Meereshöhe von 260 m (das Gefilde) bis 440 m (die Stadt Im Das ganze Gebiet der Krajina besteht aus drei natürlichen Teilen: Karstgebiet am Rand des Feldes, große Karstoberflächen die Felder bilden mit großen tektonischen Senkungen und als drittes der Gebirgsstock Biokovo. In der großen Oberfläche des Karstgebietes hat das Wasser verschiedene Formen ausgehöhlt und verformt wobei das Phänomen der Seenbildung überwiegen. Die meisten der Seen sind sogenannte „trockene Seen“. Da es sich um ein ausgeprägtes Karst- und Kalksteingebiet handelt, ist es ein sehr hydrografisches, armes Gebiet. Die Wasserflächen sind in den Karstseen: Blau- und Rotsee, Zweiaugen See, im See von Proložac, Galipovac, Knezović See, Krenica, Jezerina u.a. konzentriert, denen Grundwasser zufließt, wie der Morast von Proložac und der Fluss Vrljika und ab und zu der Fluss Suvaja.
Die Stadt allein hat etwa
5000 Einwohner und ist ein kulturelles und administratives Zentrum. Nach der Ansiedlung der
Kroaten formierten sie den Grenzbezirk unter den Namen Emotha – Imota.
Auch der byzantinischen Kaiser und Schriftsteller Konstantin VII. erwähnte
in seinen Schriften aus dem 10. Jh. den Ort und das Tal Emotha. Aus der
alten kroatischen Pfarrei entwickelte sich der heutige Namen Imotski. Über der Stadt bzw. an
der Klippe oberhalb des Blausee dominiert, Der Blau- und der Rotsee
(Plavo und Crveno jezero) sind in der unmittelbaren Nähe der Stadt
gelegen. In hydrographischer und geomorphologischer Hinsicht stellen diese
zwei Seen ein Phänomen von
Weltwert dar. Die Seen entstanden durch den Einsturz der Höhlendecken. Beide Seen haben ihren
Namen wegen den charakteristischen Farben der Steine bekommen. Dank
solchen Talksenkungen entstanden außer den beiden Seen in Imotski noch
weitere 19 trockene Seen.
Der Blaue See befindet sich fast im Zentrum und ist für Besuche, Spaziergänge, im Sommer fürs Baden sehr geeignet und ist eine der Attraktionen der Stadt. Die höchste Seite des Sees beträgt etwa 900 m und die Querseiten schwanken zwischen 255 bis 400 m. Die Tiefe des Sees ist unterschiedlich. Im Sommer passiert es ab und zu, dass das Wasser versickert, dann werden traditionell Fußballspiele auf dem Grund abgehalten.
Nicht weniger interessanter ist, der ein bisschen weiter gelegene Rotsee. Die Ufer vom Rotsee sind schräg gelegen, so dass der untere Rand etwa 100 m niedriger ist als der obere. Die Breite der Öffnung an der Längsseite beträgt ca. 400 m. Der See ist ellipsenförmig und zwischen 396 – 485 m tief. Die Wassertiefe beträgt etwa 250 m die nie versickert . Der Wasserspiegel schwankt bis zu 22 m und es ist einer der tiefsten Seen Europas. Das Wasser des Sees fließt durch ein System von Kanälen und Erdspalten zu und ab. Beide Seen sind mit
Legenden verbunden. So handelt es sich beim Rotsee, in einem Gedicht eines
unbekannten Dichters, um den reichen aber grausamen Mann Gavan,seinem großen Schloss und um den
Fluch der ihn getroffen hat.
Durch den Einsturz des Schlosses entstand ein großes Loch das sich mit
Wasser füllte. So entstand der Legende nach der Rotsee. Den Blausee verbindet man
mit einer Legende aus einem Volkslied .Es handelt sich dabei um “Hasanaginica“,
einem Mädchen. Die Ballade hat sich in dieser Gegend abgespielt und das
Grab von Hasanaginica befindet sich in der Nähe des Blausees. Auch der
deutsche Dichter Goethe sah den Wert des Geichtes ein und übersetzte es
auf Deutsch. Anschliessend Es wurde es auch auf viele andere Sprachen übersetzt. Die
Stadt Imotski befand sich langezeit, wie ganz Kroatien, unter verschiedenen
Mächten, vom Römischen Reich über Ungarn, den Türken (Osmanen),
Venedig, Österreich, Frankreich und im II. Weltkrieg unter Italien. Alle diese
Machten hinterließen ihre Spuren.
Es ist bekannt das unsere
Gegend schon im Altertum besiedelt war. Das sieht man an den heutigen archäologischen
Funden von Steinäxten, Schlägern und einer Urne, die aus der Zeit um
1500 v. Ch. stammten. Die meisten Funde stammten aus dem Neolithikum. Das erste Volk das sich
hier ansiedelte und lebte, welches auch die Geschichte erwähnt, waren die
Illyrer und zwar der Stamm Delmati. Der wichtigste Ort aus dieser Zeit
war das Dorf “Setovia“, das heute Studenci heißt. Es war eigentlich
eine Festung und ein Militärzentrum der Delmaten, dass im Krieg gegen die
Römer eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Wie wichtig die Festung
damals für die Römer war erkennt man darann, dass sogar der römische
Kaiser Oktavian bei der Einnahme der Festung teilgenommen hatte.
Die wichtigste Zeit der älteren
Geschichte von Imotski und seiner Umgebung war die römische Zeit. Aus dieser Zeit findet man auch heute noch
sehr viele archäologische Funde. Der wichtigste römische Ort war „Rus
– Novae“ – heute Runovići. Es kam zur Romanisierung der
Delmaten. Die Römer bauten Strassen. So wird auch heute noch die Strasse
von Imotski über Lovreć bis nach Trilj die „römische Strasse“
genannt. Die Stadt Imotski war in dieser Zeit nur eine Beobachtungsstation,
Wachposten und eine Haltestelle für Reisende. Im 4 Jh. kommt es zur
Christianisierung der Gegend. Nach der Völkerwanderung und dem Fall des
Westlichen Römischen Reiches, ruft Kaiser Herakles im 7. Da Imotski eines der südöstlichsten Bezirke Kroatiens war und geographisch auch sehr ungelegen liegt, herrschten über Imotski in den nächsten paar Jahrhunderten viele verschiedene Mächte. Nach den Ungarn übernahm der byzantinische Kaiser Manuel Komnen, Imotski. Nach dessen Tod wurde die Region kurz den Serben hinterlassen, danach den Bosniern. Sogar die Mongolen verwüsteten diese Gegend im 13. Jh. Im 14. Jh. übernahm Ludwig I. aus dem Haus Anjou Kroatien und wenig später auch Bosnien. Da Imotski unter Bosnien war übernahm er auch diese Gegend. Die schlimmste Zeit für Imotski war vom Ende des 14. bis zum Ende des 15. Jh. (1382 – 1493), da Imotski alle paar Jahre die Herrscher wechselte. Im Jahr 1493 kam Imotski und Umgebung unter die türkische Macht obwohl der restliche Teil Dalmatiens unter Venedig war. Aus der Stadt wurde eine Militärfestung und ein wichtiges administratives Zentrum. Nach dem Venedig – türkischem Krieg (1715 – 1717) und dem Frieden in Požarevac wurde die Stadt am 2. August 1717 von den Türken befreit, ist aber anschliessend unter die Herrschaft Venedigs geraten. Auch heute werden in der Alltagssprache sehr viele Wörter türkischer Herkunft verwendet. Unter Venedig blieb Imotski dann bis zum Fall der Republik 1797. Aus Imota wurde Imoschi. Aus dieser Zeit datiert die heutige Grenze zu Bosnien und Herzegowina.
Die Stadt blieb weiterhin ein Militärlager, aber dieses Mal als der östlichste
Punkt zum türkischen Reich. Im heutigen Wappen von Imotski sieht man den
Nach dem Fall
Venedigs kam Imotski, wie der restliche Teil Dalmatiens unter die
Herrschaft Österreichs. Doch lange blieben sie nicht im Rahmen des
Habsburger Reiches, weil Österreich eine Niederlage gegen Napoleon erlitt
und nach dem Frieden in Bratislava (25.12.1805) ging Dalmatien an die
Franzosen über. Die französische Macht blieb bis in das Jahr 1813, die
Verwaltung wurde dem Königreich Italien überlassen, so das
die Verwaltungssprache Italienisch war. Nach der Niederlage
Napoleons in Russland 1812, bei Leipzig 1813, und dem Wienerkongress (1814 –
1815) bekam Österreich zum zweiten Mal Dalmatien und so auch Imotski. Das Habsburger Reich blieb bis zum Ende des ersten
Weltkrieges (1918) bestehen. Die Verwaltungssprache blieb weiterhin Italienisch.
Es leben auch heute noch Familien in Imotski die italienischer Abstammung
sind. In dieser Zeit wurde die Volksbewegung in Kroatien und Dalmatien zur
Wiedervereinigung Dalmatiens mit dem restlichen Kroatien immer lauter.
Imotski war damals eines der Brennpunkte dieser Bewegung. Verantwortlich
dafür waren Rajmund Rudež, Ante Rossi, Mihovil Pavlinović und
Virgilije Petrić. In Imotski wurde auch 1868 einer der ältesten
Lesesaale in Dalmatien gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg und dem
Zerfall der Österreich – ungarischen Monarchie, kam es am 31.10.1918
zur Bildung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben. Am 1.12.1918 kam
es dann überstürzt zur Proklamierung des Königreiches der Serben,
Kroaten und Slowenen (Kraljevina SHS) welches in der jüngeren Geschichte
Kroatiens fa Wir danken ihnen und sie
werden immer und ewig in unseren Herzen weiterleben.
DIE LEGENDE VON GAVAN UND SEINEM “VERFLUCHTEM“ SCHLOSS
Einmal vor langer Zeit lebte der reiche Gavan, am Rand des
Rotsees hatte er ein großes und wunderschönes Schloss. Alles gehört
ihm, die ganzen Felder und die ganze Umgebung. Er lebte sehr
verschwenderisch und war ein großer Nimmersatt. Gavan war gegenüber allen jähzornig
und unbarmherzig, besonders gegenüber den Armen kannte er kein Mitleid, seine Türen war immer für
sie verschlossen und wenn er sie öffnete
dann nur um sie zu verprügeln und zu verjagen. Gavan und seine noch
schlimmere Frau, die bösartiger und gieriger war, kannte keinen Gott. Den Armen half sie
nie sondern machte sich über sie lächerlich,
verspotteten und verjagten sie von der Schlosstür. Eine schlimmere Frau
gab es unter der Sonne nicht. Gavan hatte viele Söhne und Töchter und er
dachte, dass er zufrieden in seinem Reichtum mit ihnen leben und ihnen
alles hinterlassen wird. Die Kinder waren nicht
anders als ihre Eltern. Eines Tages beschloss
Gavan ein großes Fest für seine Freunde, die auch verschwenderisch und jähzornig
waren wie er, zu organisieren. Sie übertrieben das Ganze im Essen und
Trinken. Auf einmal erschien ein Engel in der Gestalt eines zerlumpten
Armen. Er suchte im Namen Gottes, ein bisschen Brot für sich und die
hungrigen Kinder die bei ihm waren. Als ihn Gavan sah wurde er wütend,
weil er ihn während des Essens störte. Die Kinder liefen schnell um die
Hunde von der Leine zu lassen, damit sie ihn und die Kinder zerreißen.
Das täten sie auch, wenn sie ihre Mutter in letzter Sekunde nicht
aufgehalten hätte. Nicht aus Erbarmen, sondern weil sie schwanger war und
Angst hatte, dass ihr so ein Unheil nicht gut tun würde. Sie stand
vom Tisch auf, nahm ein Stück Brot und schob es mit dem linken Fuß vor
den Armen und sagte zornig: „Nimm du Hungriger und danke unserer
Barmherzigkeit“. Der Engel
nahm das Stück Brot, küsste es und verteilte es unter den Kindern.
Danach bat er die Hausherrin: „ Geben sie mir gnädige Frau auf dem Weg
Gottes einen Tropfen Wasser, um meinen und der Kindern Durst zu löschen
und der liebe Gott gibt dir Ehrsamkeit bei deiner Geburt. Statt Erbarmen stieß sie
ihn mit dem Fuß und sagte: „Was soll ich schon mit deinem Gott solange
ich meinen Gavan habe?“ Auf so ein herzloses
Verhalten wurde der Engel zornig, warf die alte Kleidung vom Leib und
nahm in die rechte Hand das feurige Schwert Gottes und schlitzte den
Himmel der Helligkeit auf. Er verfluchte Gavan, dessen Frau und seine Kinder,
die Gäste und Gavan´s Schloss und flog zurück in den Himmel. In diesem
Augenblick fing es an zu blitzen und zu donnern, die Erde fing an zu beben,
sie öffnete sich und Gavan, dessen Frau und Kinder und alle Gäste, wie
das Schloss wurden von der Erde verschluckt. An diesem Ort entstand der
Rotsee und alle anderen Seen in der Krajina, die wir heute kennen. Auch heute sind noch am
Rand des Rotsees die Gemäuer zu sehen, wo man sagt, dass sie die
Reste von Gavan´s großem Schloss sind.
Die ballade "Asanaginica" “Asanaginica“ ist eine kroatische Volksballade. Sie ist kein normales, unbekanntes Gedicht, sondern eine berühmte Ballade, die mit ihrer künstlerischen Schönheit die ganze Kulturwelt interessiert hat. Sie gehört zu den meist übersetzten Volksballaden.
Eine
kurze Zusammenfassung der Ballade
Der türkische Offizier Asan liegt verwundet in den Bergen. Es besuchen
ihn seine Mutter und Schwester doch die Ehefrau Asanaginica kämpft zu
Hause mit dem Scham und der sittenharten Erbschaft und traut sich nicht
ihren verwundeten Ehemann zu besuchen, sondern erwartet ihn mit fünf
Kindern zu Hause. Der Ehemann Asan wütend vor Zorn teilt der Ehefrau mit,
sie soll auf ihn nicht „im Hof und Verwandtschaft“ warten. Der gekränkte
Bruder von Asanaginica entführt seine Schwester von den fünf Kindern und
bringt sie ins Elternheim zurück. Nach der Hand der guten Ehefrau von
Asan fragen viele, doch der Bruder verheiratet sie gegen ihren Willen für
den Kadija (Richter) in Imotski.
Die Hochzeitsgäste führen die unglückliche Asanaginica in Richtung
Imotski. Sie bittet sie vor dem Haus ihrer Kinder anzuhalten um sie mit
Geschenken zu bescheren. Das alles sieht der Ehemann Asan aus dem Fenster
mit an, unglücklich, weil ihm der Hochzeitszug seine geliebte Ehefrau und
die Mutter seiner Kinder wegführt. Die edelmütige Asanaginica beschert
ihre Kinder und hört den lauten Vorwurf ihres Ehegatten und fällt Tod
um. Die Kinder bleiben ohne Mutter, Asan ohne seine geliebte Frau und der
Hochzeitszug ohne Braut.
Die ganze Ballade (Geschichte) wurde von einem (einer) Volksdichter (Volksdichterin)
in 93 zehnsilbern ausgedrückt und „das Rätsel Hasanaginica dauert noch
immer“. Des Bruders Entschluss die Schwester, Mutter von fünf Kindern,
ohne ihren Willen noch mal zu verheiraten, ist ein dramatisches Crescendo
und eine Ankündigung einer Tragödie einer edelmütigen Mutter und treuen
Ehefrau. Romeo und Julia aus Imotski wurden nach einer langjährigen, glücklichen
und mit gesunden Kindern gesegneten Ehe, zertrennt, durch menschlichen
Neid, Eifersucht und Bosheit. Es wird die Welt des Edelmutes und des Guten
zerstört und die Welt des Bösen, des Unglücks und des Todes aufgebaut.
Der wohlwollende Leser fragt sich wer es braucht und wem dient solch ein
denkbares Konzept in dem das Opfer ohne eigene Schuld und Verantwortung
als treue Ehefrau und edelmütige Mutter Asanaginica getötet wird. Der
Volksautor webte inspiriert und unaufdringlich in den Text seine
katharsische Mitteilung hinein und jeder Leser wird sie leicht dekodieren
und die ganze Welt einer glücklichen Familie bedauern, dessen Glück zerfällt
und zerstört wird. Die Ballade erreicht so ihr Ziel – sie säubert und
eröffnet uns für eine schönere, glücklichere und gehrechtlichere Welt.
Was
ist im grunene Wald dort jene Weisse? Schanee?
oder Schwane? sei es Schenee: er musste geschmolzen
endlich sein, und Schwane waren davon
geflogen. Weder Schnee noch Schwane, es
sind die Zelten Asans, unsers Herzogs. Verwundet
achzt er drinnen; ihn zu sehen kommt
zu ihm seine Mutter, seine Schwester; die
Gattin sasumt aus Scham zu ihm zu kommen. Als
er zuletzt die Pein an seinen Wunden gelindert
fuhlte, liess er seiner treuen Gemahlin
kunden: ˝Harr˝ auf mich nicht langer ˝in
meinem weissen Hofe, noch bei meinen ˝Verwandten!˝
Als das harte Wort die treue Gemahl
vernommen, stand sie starr und schmerzvoll. Schon
hort sie um des Gatten Burg den Hufschlag von
Rossen schallen, springt verzweifelnd den
Thurm hinauf, und will vom Fenster sturzend dem
Tod sich geben. Aber angstlich folgten zwo
zarte Tochter ihrer raschen Mutter, und
riefen weinend: ˝Mutter, liebe Mutter! ˝Ach,
gilehe nicht! Es sind nicht unsers Vaters, ¨nicht
Asans Ropsse; komm zuruck, dein Bruder, ˝der
Erbe des Pintoro wartet deiner.˝ Die
Gattin Asans kommt zuruck und windet die
Arme um den Hals von ihrem Bruder: ¨O
Bruder, sieh die Schande deiner Schwester! ˝Mich
zu verstossen, nich, die arme Muter ˝von
funf Ungluckicher!˝ Er schweigt und ziehet hervor
von rother Seide aus der Tasche den
Freiheitsbrief, der ihr das Recht ertheilet, in
ihrem muzzerlichen Hause wieder zuruckgekehrt
ein neues Ehebundniss za
knupfen. Als die bange Furstin sahe das
traur'ge Blatt, so kusste sie die Stirne von
ihren beiden Sohnlein und von igren zwo'n
Tochterchen die zarten Rosenwangen; ach,
aber von dem Saugling in der Wiege vermag
die Arme nicht sich loszureissen. Er
reisst sie los, der unbarmherz'ge Bruder, hebt
sie zu sich aufs Ross, und kehret eilig Mit
ihr zuruck zur vaterlichen Wohnung. Nach
kruzer Zeit, es waren sieben Tage noch
nicht verflossen, als von allen Seiten, schon
und erhab'ner Herkunft, tur Gemaglin das
sdchone Fraulein schon erkieset wurde. Der
edlen Ferier war der angeseh'nste der
Cadi von Imosky. Aber weinend bas
sie den Bruder: ˝Ach! Bei deinem Leben ˝beschwor˝
ich dich, du mein gelibter Bruder! ˝mich
keinem andern mehr zur Frau zu geben, ˝damit
das Wiedersehen meinerlieben ˝verlass'nen
Kinder mir das Herz nicht breche!˝ Er
achtet ihre Rede nichts, entschlossen die
Schwester dem Cadi zur Frau zu geben. Sie
fleht aufs neu: ˝Ach, bist du unerbittlich, ˝so
wollest dem Cadi zum mind'sten senden ˝ein
weisses Blatt: ˝Dich grusst die junge Wittib, ˝und
will durch deser Blatt, wenn dich die Suaten ˝zu
ir begleiten, einen langer Schleier ˝dich
bitten ihr zu reichen, dass in diesen, ˝wenn
Asans Wohnung sie voruber komme, ˝vom
Haput zu'n Fussen sie sich hullen konne, ˝um
ihre lieben, ach! Verlass'nen Kinder ˝nicht
seh'n zu mussen!˝ Der Cadi beaugte das
Schreiben kaum, als er die Suaten sammelt, und
seiner schonen Braut entgegen eilet, den
langer Schleier, den sie heischte, tragend. Zum
Haus der jungen Furstin kamen glucklich die
Suaten, und von ihrem Hause kehrten mit
ihr sie glucklich wieder: aber naher als
Asans Wohnung sie gekommen waren, so
sah'n vom Erker ihre liebe Mutter die
zarten Tochter und die jungen Sohne, und
eilten zu ihr: ˝Liebe, liebe Mutter! ˝Komm
wieder zu uns, komm in deiner Halle ˝mit
uns das Sprechen ihrer Kinder horte, wandt'
sich des Herzog Asans bange Gattin zum
ersten von den Suaten:˝O mein alter ˝geliebter
Bruder, lass vor diesem Hause ˝die
Rosse harren, dass ich diesen Waisen, ˝den
Kindern meines Busens, noch ein Zeichen ˝der
Liebe geben kann!˝ Die Rosse harrten an
Asans traur'gem Haus, und abhestiegen vom
Ross gab sie den Kindern ihres Busens Geschenke:
gab mit Gold beblumte schone Halbstiefel
beiden Sohnlein und den Tochtern zwei
Kleider, die vom Kopf zu Fuss sie deckten; dem
Sauglung aber, welcher in der Wiege noch
hilfols lag, dem schickte sie ein Rocklein. Der
Vater, alles in der Ferne sehend, rief
seinen Jkindern: ˝Liebe Kleine, kehret ˝zu
mir zuruck, der fuhllos word'nen Mutter ˝verschloss'ne
Brust von Eisen wiess von keinem ˝Mitleiden
mehr.˝ Die jammervolle Gattin hort
Asans Wort, und sturzt, mit blassem Antlitz die
Erde schutternd, und die bange Seele entfloh
dem bangen Busen, als, die Arme! Sie
ihre Kinder sah von ihr entfliehen.
Zusammengefasst und geschrieben: Nikša Rebić, prof. Weitere Bilder der Stadt
und Umgebung sehen sie in der Photogalerie
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